Kreativität bedeutet, immer in Bewegung zu sein

Von – 12. Januar 2016

Ich interessiere mich für Menschen und ihre Geschichten. In Interviews möchte ich auf meinem Blog Leute vorstellen, die Veränderungen gewagt oder kreative Ideen umgesetzt haben.

Auf meiner Reise durch Frankreich 2015 habe ich über Airbnb Station bei Florinda Sandri in der Provence gemacht. Sie ist selbstständige Textildesignerin, lebt und arbeitet in der Provence und Paris. Ihre Kreativität und Faszination für Farben haben mich begeistert.

Florinda unterrichtete mehrere Jahre angewandte Kunst bevor sie entschied, sich ganz dem Entwerfen eigener Kreationen zu widmen. Heute arbeitet sie unter anderem für Kunden wie American Vintage, Comptoir des Cotonniers, Galeries Lafayettes oder Monoprix (www.florindasandri.com). Mich interessierte, wie sie auf ihre Ideen kommt und ob ihr Wechsel von der angestellten Kunstprofessorin in die Selbstständigkeit Auswirkung auf ihre Arbeit hatte.

Florinda, Du hast als Kunstprofessorin mehrere Jahre an verschiedenen Kunstschulen u.a. in Straßburg, Avignon und Marseille unterrichtet. Kann man Kreativität lernen?

Ja, das ist möglich. Als Kunstprofessorin habe ich den Schülern die künstlerischen Techniken beigebracht, die sie beim Zeichnen und Malen anwenden sollten. Das Wichtigste dabei war für mich, dass die Schüler ihren eigenen Standpunkt behielten, ihre eigenen Ideen hatten, aus denen sie die besten für sich auswählen konnten. Mein Unterricht war oft unkonventionell, inspirierend und lustig. So konnten die Schüler leichter ihre eigenen Muster und Grenzen verlassen, um Neues zu erschaffen.

Wenn Du Design entwickelst, durch welchen Prozess gehst Du?

Wenn ich ein neues Muster entwerfe, suche ich Bilder oder Zeichnungen, die mir gefallen. Das können Fotosammlungen sein oder auch Blumenmotive. Ich skizziere und entwerfe und wähle dafür eine Technik, die mir gefällt: Der Bleistift, der schwarze Filzstift – dünn oder dick – die Tinte, die Gouache oder Aquarellfarben. Danach scanne ich die Bilder ein, überarbeite sie mit Photoshop und komponiere so lange, bis ich ein Ergebnis erziele, das für mich harmonisch ist. Dann setze ich das Bild in Beziehung, das heißt ich reproduziere es und stelle eine Reihe her. Danach erarbeite ich die Kolorierung und probiere verschiedene Harmonien aus. Wenn ich zufrieden bin, drucke ich das Ergebnis aus. Jedes Bild gehört für mich zu einer Familie. Ich entwerfe gewissermaßen skizzierte Geschichten. Für das Jahr 2017 werden es zum Beispiel die Themen „Romantische Geschichten“, „Paradiesvögel“, „Ethnic vintage“ sein.

Woher nimmst Du Deine Kreativität und Deine Ideen?

Die Kreativität ist das Ergebnis meiner verschiedenen Interessen und wie ich das Leben sehe. Ich bin sehr neugierig, spontan und immer in Bewegung. Wenn ich an einer neuen Kollektion arbeite, dann analysiere ich erst einmal die aktuellen Modenschauen und die Mode in den Geschäften. Ich besuche große Ausstellungen, lasse mich von den Arbeiten verschiedener Designer aus Frankreich und der Welt inspirieren. Meine Ideen halte ich auf einem sogenannten Moodboard fest, das ist eine Tafel auf denen Bilder, Formen, Farben, Stoffe aufgebracht sind. Das ist der Ausgangspunkt für die Entwicklung meiner Kreationen.

Welche Bedeutung haben Farben für Dich?

Ich liebe Farben. Es macht mir Spaß mit ihnen zu spielen. Oft entwerfe ich ganz intuitiv Farbpaletten, bemerke hier und da Farbtupfer im Vorübergehen – das kann überall sein: eine kleine Ecke an einer fleckigen Mauer, ein altes verwaschenes Tuch, Kieselsteine, eine Landschaft etc. Ich habe einen sehr aufmerksamen Blick für Farben und vor allem für ihre Beziehung zueinander. Ich sehe mir die Farbgebungen dieser Dinge an und spüre, wie sie vibrieren, was sie erzählen. Ich führe ein Notizbuch mit Farbideen. Zweimal im Jahr – im Sommer und Winter – präsentiere ich eine Kollektion neuer Bilder (circa 200, wenn ich es schaffe). Meine kolorierten Bilder folgen diesem Zyklus. Ich kreiere Farbtrends und Muster, die ein oder zwei Jahre später in den Geschäften zu finden sind. Dabei sind die Farben für den Verkauf sehr wichtig, denn meine Kunden lassen sich immer erst von den Farben verzaubern und erst danach von dem Motiv. Zur Zeit arbeite ich mit einer befreundeten Designerin an einem Buch, das Antworten geben soll auf zukünftige Farbtrends und Muster in der Mode und Dekoration. Aber wir sind noch ganz am Anfang.

Du pendelst oft zwischen Paris und der Provence, wo Du lebst. Welche unterschiedlichen Impulse geben Dir die Orte?

Ich brauche Ruhe und Zeit, um zu arbeiten. Ich mag die Sonne, das Licht der Provence, die wunderbaren Landschaften, die Natur. Ich brauche aber auch das Stimulierende einer großen Stadt wie Paris, wo Mode geschaffen wird. In Paris ¨füttere ich mich¨ und in der Provence zeichne ich. Dieses Gleichgewicht habe ich gern.

Wie hat sich Deine Arbeit in der Selbstständigkeit verändert?

Ich fühle mich kreativer, freier und stärker und wage viel mehr als früher. Ich habe mehr Vertrauen in mich und in das, was ich produziere – auch wenn Zweifel ein Gefühl ist, das ich gut kenne. Meine Zeichnungen sind eng mit mir verbunden, meine Arbeit ist feiner, mein Stil und mein Strich sind besser geworden. Ich bin mir bewusst, dass alles in der Kreativität immer in Bewegung ist. Finanziell gesehen ist mein Leben unsicherer geworden aber dafür viel spannender! Ich habe den Eindruck, dass alles möglich ist. Mit jedem neuen Projekt prüfe ich meine Grenzen. Diese berufliche Veränderung hat mich und mein ganzes Leben verwandelt.

Woran arbeitest Du gerade?

Ich habe viele neue Projekte. Eine neue Sammlung von 200-Zeichnungen für den Sommer 2017. Mehrere Illustrationen. Das Buch mit den Farbtrends. Projekte für Verlage, ein Projekt mit einer Freundin, die Fotografin ist und eins mit meinem Mann, der Objektdesigner ist. Und, und, und …

Florinda Sandri    Im Atelier     Im Atelier  

Techniken

Kreationenkirsten-becker-blog-Florinda Sandri-Textildesign-Farben-Provence

 

Ein Wort zum Schluss

Es war sehr inspirierend, die Arbeiten von Florinda zu sehen. Ich bin immer fasziniert, wie viele Ideen Menschen haben können und was alles in ihnen steckt, das gerne “raus” will. Die Selbständigkeit ist ein großer Schritt. Ich weiß, dass sie nicht immer ein gerade Weg ist. Aber gleichzeitig habe ich festgestellt, dass ich in unsicheren Zeiten kreativer bin, mehr ausprobiere. Und das zahlt sich aus. Die eigene Weiterentwicklung macht einfach Spaß. Ich wünsche Florinda weiterhin viele kreative Momente!

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar

anja

Januar 12, 2016 @ 13:44

Antwort

Hallo Kirsten, herzlichen Glückwunsch zu dem schönen Artikel!:))

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Über die Autorin

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Als Kommunikationsexpertin und freie Journalistin berate ich Unternehmen in Change Prozessen. Das Thema "Veränderung" hat mich schon immer fasziniert, vor allem weil jeder anders damit umgeht. Neues wagen verbinde ich mit geistiger Wachheit und Kreativität. Für meinen Blog bin ich immer auf der Suche nach interessanten Menschen und Geschichten, die mit Veränderung zu tun haben. Ich liebe es, aus einer Idee eine Story zu entwickeln. Dabei möchte ich mit meinen Geschichten informieren und inspirieren. Meine langjährige Kommunikationserfahrung habe ich in verschiedenen internationalen PR-Agenturen in Düsseldorf und als Pressesprecherin bei einem großen Finanzdienstleister in München gesammelt. 

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