Begegnung auf Augenhöhe

Von – 1. März 2016

Interview mit Heike Breidbach, „Make a difference“, über sinnstiftende Projektreisen und die Bedeutung von Sabbaticals. 

In meinen Interviews stelle ich Menschen vor, die Veränderung gewagt oder interessante Ideen umgesetzt haben und dadurch vielleicht ein Beispiel für andere sind. Anlässlich der Internationalen Tourismus Messe Berlin (ITB), die dieses Jahr vom 9. – 13. März stattfindet, habe ich mit Heike Breidbach, Inhaberin von „Make a difference“ gesprochen. Sie bietet nachhaltige Projektreisen an, bei denen nicht nur das Land im Mittelpunkt steht, sondern auch die Begegnung mit den Menschen, die dort leben. Kennengelernt habe ich Heike (www.makeadifference.de) auf einer Reise durch Vietnam, die sie organisiert hatte. Dort konnte ich den Besuch meines World Vision-Patenkinds mit einem Trip durch das Land verbinden. Diese Art zu reisen hat mich damals so überzeugt, dass Touren nach Kambodscha und Laos folgten. In jedem Land lernten wir soziale Projekte kennen, trafen Menschen und es war ein gutes Gefühl, dass ein Teil der Reisekosten diesen zugute kam. Warum Heike dieses Konzept ins Leben gerufen hat, erzählt sie im Interview.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, „Make a difference“ zu gründen?

Ich habe viele Jahre bei einer Incentive und Event Agentur gearbeitet und hatte irgendwann genug von dem Anspruch – höher, schneller, weiter. Ich wollte nachhaltige Reisekonzepte schaffen, sprich in nachhaltigen Tourismus investieren und über diverse Reisen Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns, helfen.

Worauf legst Du bei Deinen angebotenen Reisen besonderen Wert?

In erster Linie fahren wir mit Hilfsorganisationen in Projektgebiete, die seit langer Zeit bereits über diese Organisation unterstützt werden. Sprich wir kommen nicht als „Fremde“ oder einfache „Touristen“ zu den Menschen, sondern als Besucher, die sich für die Lebensbedingungen vor Ort langfristig einsetzen. Hierbei lege ich besonderen Wert auf einen Austausch auf Augenhöhe, tatsächliche Begegnungen und Erfahrungen abseits der Touristenpfade. Über die Reisen sollen Brücken gebaut werden zwischen Verantwortung und Integration. Menschen, die in die Projekte gehen und sehen, wie wichtig die Arbeit vor Ort ist, werden versuchen, mehr Unterstützer zu finden. Doch die wichtigste Erfahrung ist das Lächeln der Menschen während der Besuche. Die Reisen sind eine Bereicherung. Für beide Seiten. Die Familien, die wir besuchen, sind Stolz, dass wir den langen Weg auf uns genommen haben, um sie zu treffen und zu erfahren, wie sie leben. Das motiviert, mit der Entwicklungshilfe weiterzumachen und noch mehr Nachbarn von den neuen Schritten und der positiven Veränderung zu überzeugen.

 

Mongolei: ein Nomadenkind erfreut sich an Seifenblasen.

Mongolei: Ein Nomadenkind erfreut sich an Seifenblasen.

Wie viel Geduld war nötig, bis die ersten Kunden über Dich ihre Reisen organisiert haben?

Ich denke, jeder der den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, muss eine gewisse Portion Mut aufbringen, um sich aus dem sicheren Hafen der Festanstellung in das Wagnis der neuen Geschäftsidee zu stürzen. Optimismus ist dabei das wichtigste Attribut. Geduld ist gefragt und so mancher Vertrag, der eigentlich schon so gut wie in der Tasche war, wurde dann doch nicht unterzeichnet. Wenn es wieder einmal in eine Extra-Schleife ging, habe ich mir immer wieder vor Augen gehalten, was ich mit meiner Arbeit bezwecke, dass der philanthropische Ansatz gleichzeitig auch Antrieb sein muss. Erschwerend kam natürlich hinzu, dass die Geschäftsidee der sozialen Reisen sehr neu war und die Hilfsorganisationen von dem Produkt „Spenderreisen“ überzeugt werden mussten. Mein Motto: Wer teilt, wird nicht arm, sondern reich.

Welches Feedback erhält Du von den Reisenden und den Kunden?

Alle Hilfsorganisationen, mit denen ich bislang gereist bin, sind sehr zufrieden mit dem Produkt „Projektreisen“. Es gibt keine bessere Spenderbindungsmaßnahme, als den Spendern das Privileg zukommen zu lassen,  einen Einblick in die Arbeit vor Ort zu erhalten und die Menschen zu treffen, die durch ihre Unterstützung ein besseres Leben führen. Es finden Begegnungen statt, die unter die Haut gehen und fast alle Reisenden nachhaltig prägen. Viele unserer Reisenden sagen, dass die Projektreise bislang die beste Erfahrung ihres Lebens war und sie daraus neue Kraft schöpfen.

Schulleiterin in Südafrika tanzt für die Reisegruppe.

Schulleiterin in Südafrika tanzt für die Reisegruppe.

Wo siehst Du die Zukunft von Reisen mit sozialem Hintergrund? Welche Themen werden stärker kommen?

Das Potential für Reisen mit sozialem Hintergrund ist auf jeden Fall da. Es gibt immer mehr Menschen, die über den Tellerrand hinaus schauen und auf ihren Reisen nicht nur das Land, sondern vor allem auch die Leute kennen lernen wollen. Allerdings braucht es auch hier immer noch Zeit, um auch wirklich nachhaltige Produkte zu entwickeln, die der Bevölkerung vor Ort tatsächlich helfen. Was sicherlich immer mehr kommen wird, sind die sogenannten „Sabbaticals“. Die Unternehmen haben erkannt, wie bereichernd es ist, seinen Mitarbeiter für eine Zeit von der Arbeit frei zu stellen, damit sich dieser sozial weiter entwickeln kann. Neu motiviert kommt er wieder zurück. Allerdings möchte ich an dieser Stelle betonen, dass leider noch viel zu wenige Unternehmen den Wünschen ihrer Angestellten nach einer Auszeit nachkommen. Die Frage nach dieser wird immer noch als Schwäche interpretiert, die suggeriert, dass man entweder eine Pause braucht oder mit der Arbeit nicht mehr zufrieden ist. Hier muss unbedingt noch ein Umdenken erfolgen. Es ist eine tolle Sache, wenn sich Fachkräfte ins Ausland begeben, um dort ihr Wissen einzubringen oder einfach nur Reisen, um neue Menschen und Kulturen zu entdecken. Und sich selbst.

Was hat sich für Dich persönlich verändert?

Ich lege auf jeden Fall weniger Wert auf die westlichen Ansprüche nach Status und Selbstdarstellung. Das Miteinander und die Bedeutung von Familie ist für mich extrem wichtig – nicht die Karriere oder materielle Werte. Viele Dinge sehe ich einfach nicht mehr so eng und anstatt sich über manche Dinge einen Kopf zu machen, lache ich lieber darüber.

Was steht für Dich dieses Jahr und für die Zukunft an?

Gerne würde ich „Make a difference“ wachsen lassen und noch mehr Menschen erreichen.

Heike Breidbach mit einer Medizinfrau in Südafrika, die für verwaiste und traumatisierte Kinder kocht. Über die Reise würde eine neue Küche finanziert. Fotos: Heike Breidbach

Heike Breidbach mit einer Medizinfrau in Südafrika, die für verwaiste und traumatisierte Kinder kocht. Über die Reise wurde eine neue Küche finanziert. Fotos: Heike Breidbach

 

 

 

 

 

 

 

Ein Wort zum Schluss

Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus kann ich nur sagen, dass ich nach diesen speziellen Reisen voller Energie zurückkam. Diese Energie hat auch mein eigenes Business beflügelt. Es lohnt sich, die Perspektiven immer mal wieder zu wechseln. Die Idee, dass ein Teil meines Geldes sinnvoll angelegt wurde und dass ich die Möglichkeit bekommen habe, Projekte anzusehen und mit den Menschen zu sprechen, hat mich sehr inspiriert. Ich war nicht einfach nur ein Tourist, sondern ein Teil des Ganzen.

 

Haben Sie schon Erfahrungen mit dieser Art von Reisen gemacht? Was hat Sie beeindruckt? Hat sich dadurch für Sie etwas verändert? Schreiben Sie mir. Ich freue mich!

 

 

Kommentar hinterlassen

Über die Autorin

author

Als Kommunikationsexpertin und freie Journalistin berate ich Unternehmen in Change Prozessen. Das Thema "Veränderung" hat mich schon immer fasziniert, vor allem weil jeder anders damit umgeht. Neues wagen verbinde ich mit geistiger Wachheit und Kreativität. Für meinen Blog bin ich immer auf der Suche nach interessanten Menschen und Geschichten, die mit Veränderung zu tun haben. Ich liebe es, aus einer Idee eine Story zu entwickeln. Dabei möchte ich mit meinen Geschichten informieren und inspirieren. Meine langjährige Kommunikationserfahrung habe ich in verschiedenen internationalen PR-Agenturen in Düsseldorf und als Pressesprecherin bei einem großen Finanzdienstleister in München gesammelt. 

Newsletter