Alle gleich?

Von – 2. November 2016

 

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“

Søren Kierkegaard

Diesen Spruch habe ich seit langem auf meinem Schreibtisch stehen. Allerdings war er in letzter Zeit ein wenig durch Bücher und Zeitschriften verdeckt worden. Aber kürzlich habe ich ihn wieder hervorgeholt, denn ich finde, da liegt so viel Wahrheit drin.

Wie oft vergleicht man sich mit anderen, anstatt auf sich selber zu hören. Neulich ist es mir wieder passiert: Ich kam beschwingt ins Büro, war rundum zufrieden mit meinem Leben, meine verschiedenen Projekte und überhaupt. Ich saß an meinem Schreibtisch, als eine Kollegin in mein Büro kam. Wir quatschten ein bisschen über alles mögliche und dann erzählte sie mir, an welchen tollen neuen Projekte sie arbeitete, wie erfolgreich sie war und was sie sich Neues vorgenommen hatte, um noch erfolgreicher zu werden. Ich hörte zu und mit jedem weiteren Satz wurde ich kleiner. Alles hörte sich ja soooo toll an. Das wollte ich auch! Natürlich brauchte ich auch neue Ideen, schönere Projekte so wie die Kollegin und überhaupt könnte ich doch noch mehr hier und da machen, dann bin ich erfolgreich und nur dann bin ich beliebt, weil ich das schönste Förmchen habe und dann bin ich die Königin im Sandkasten und alle wollen mit mir spielen und … Hey, waren das nicht Kinderstimmen?

Ein Leben im Sandkasten

Als die Kollegin wieder mein Büro verließ, war ich fertig mit der Welt. Ich war unbemerkt in den Sandkasten gerutscht. Wieso habe ich nicht das schönste Förmchen? Und der schöne Tag schien hinüber zu sein. Frustriert starrte ich auf meinen Computer und die Lust, überhaupt etwas zu tun, war dahin. Kennen Sie diese fiesen Stimmen aus der Kindheit, die sagen, die anderen sind besser als du, spielen schöner, haben mehr Freunde und sind eh beliebter? Mein Magen grummelte. Diese Stimmen fraßen sich in mein System. Fast hätten sie es geschafft und ich wäre heulend im Sandkasten sitzen geblieben.

Die eigene Stimme hören

Doch dann hörte ich in mir eine Stimme, die es vor einigen Jahren endlich geschafft hatte, sich bemerkbar zu machen: meine eigenen Stimme. Sie weiß, was ich wirklich will. Die klopfte ziemlich laut an, ich hatte sie mal wieder überhört und sagte entschieden: „Das willst du doch überhaupt gar nicht!“ – Ach ja, stimmt. Hatte ich doch glatt vergessen. Das war doch das Leben meiner Kollegin, nicht meins. Das waren doch ihre Ziele, nicht meine. Ich hatte doch etwas ganz anderes vor. Wie konnte ich das so schnell vergessen? Wie kann es sein, dass ein Gespräch meine ganze Stimmung vermiesen kann?

Dabei kann der andere überhaupt nichts dafür. Es ist mein Ding. Ich sehe es inzwischen als Prüfung an. Falle ich wieder darauf rein und denke, was andere machen, wollen, mögen ist auch meins? Oder bleibe ich in jeder Sekunde bei mir und meinen Bedürfnissen und Wünschen? An diesem Tag bin ich wieder mal reingefallen. Doch ich arbeite daran, meine wahre Stimme in mir zu trainieren, dass sie alarmbereit ist und sich bemerkbar macht. Nicht das Außen ist wichtig, sondern das, was ich wirklich will, was meins ist.

Ich habe mich also verglichen und fand die anderen Kinder besser als mich. Dabei wollte ich dies gar nicht. Ich hoffe, dass ich immer schneller kapiere, was gerade passiert, wenn ich mich vergleiche. Natürlich kann ich mir immer überlegen, was davon hat auch mit mir und meinen Zielen zu tun und wo kann ich besser werden. Aber ansonsten versuche ich, ruhig zu bleiben. Denn es ist schön, wenn ich bei mir bleibe und relaxed den anderen zuhöre oder zusehe und weiß, das ist nicht meins, ich verfolge ein ganz anderes Ziel. Nur so bin ich einzigartig, besonders und anders. Wenn ich das tue, was alle anderen machen, dann bin ich auch wie alle anderen. Doch Ziel sollte es sein, sich seiner selbst be-wusst-sein und sein eigenes Ding zu machen.

Ein Wort zum Schluss:

Natürlich bin ich jetzt neugierig und möchte von Ihnen wissen, in welcher Situation Sie das auch schon mal erlebt haben. Denn es passiert jedem! Vielleicht haben Sie dadurch auch positive Erfahrungen gemacht. Schreiben Sie mir hier. Ich freue mich.

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Über die Autorin

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Als Kommunikationsexpertin und freie Journalistin berate ich Unternehmen in Change Prozessen. Das Thema "Veränderung" hat mich schon immer fasziniert, vor allem weil jeder anders damit umgeht. Neues wagen verbinde ich mit geistiger Wachheit und Kreativität. Für meinen Blog bin ich immer auf der Suche nach interessanten Menschen und Geschichten, die mit Veränderung zu tun haben. Ich liebe es, aus einer Idee eine Story zu entwickeln. Dabei möchte ich mit meinen Geschichten informieren und inspirieren. Meine langjährige Kommunikationserfahrung habe ich in verschiedenen internationalen PR-Agenturen in Düsseldorf und als Pressesprecherin bei einem großen Finanzdienstleister in München gesammelt.