Das Theaterspielen ist meine Kraftquelle

Von – 3. Mai 2017

Vor einigen Jahren habe ich durch das Galli Theater den (für mich sehr herausfordernden) Weg auf die Bühne gefunden. Nicht das ich jetzt Schauspielerin bin, eher Hobby-Spielerin. Aber auf der Bühne zu stehen und in verschiedene Rollen zu wechseln, das macht wirklich Spaß. Bei Theaterprojekten in München habe ich auch Helena George kennengelernt. Sie ist Schauspielerin und Leiterin des Galli Theaters in München. Ich bewundere immer wieder, wie schnell sie „mal eben“ Texte auswendig lernt oder abends im Theater in ihre Rollen „springt“. Dabei scheint es egal zu sein, ob sie vorher noch Workshops mit Kindern oder Erwachsenen durchgeführt hat. Ich wäre danach platt, aber sie hat immer noch die Energie. Wie schafft sie das? Was treibt sie an? Das wollte ich von ihr wissen.

Wann warst Du das erste Mal auf der Bühne?

Ich kam schon als Kind mit drei Jahren mit dem Theater in Berührung. Meine Mutter ist von Beruf Dramaturgin in Georgien und arbeitete im Theater. Ich habe damals dort zum ersten Mal auf der Bühne gestanden und gemerkt, dass mir das Spaß macht. Später habe ich eine Sehnsucht gespürt, das zu meinem Beruf zu machen. Ich habe zuerst eine Georgische Tanzausbildung gemacht und dann Schauspiel in Tiflis studiert.

Helena George in dem Stück „Eva&Lilith“

Deine Mutter hat Dich also inspiriert?

Zum Teil. Meine ältere Schwester ist auch Schauspielerin in Georgien. Aber auch mein Vater. Er war ein bekannter Journalist in Georgien, der leider 2001 bei einem Unfall ums Leben kam. Für mich war er Vorbild, ich wollte zuerst Journalistin werden. Doch er hat mir davon abgeraten und mich dabei unterstützt herausfinden, was ich wirklich will. Schauspiel gibt dir als Mensch mehr Freiheit, war seine Meinung.

Wie bist Du zum Galli Theater gekommen?

Ich bin 2004 mit 19 Jahren nach Deutschland gekommen. Es war eher ein Zufall und ich wollte nur ein Jahr bleiben. Ich habe damals an einem Projekt teilgenommen und interkulturelle Veranstaltungen in einem Jugendclub in München organisiert. Dabei bin ich auf das Galli Theater gestoßen. Vor allem die Galli Methode® und die Kombination aus Schauspiel und Training hat mich fasziniert. Auf meiner Suche nach mir selbst, waren die Workshops, an denen ich teilnahm, sehr hilfreich. Ich wurde Teil des Galli-Teams, habe in Märchen mitgespielt und bin im Präventionstheater fest eingestiegen. Viele Jahre habe ich dann Aufführungen in Schulen zum Thema Suchtprävention durchgeführt.

Was hat sich dadurch für Dich verändert?

Die Arbeit hat mir gezeigt, dass ich außer der Schauspielerei auch noch als Trainerin arbeiten konnte. Vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und deren Offenheit hat mich auch persönlich weitergebracht. Deshalb habe ich mich entschlossen, die Galli Trainerausbildung zu machen. Und dann habe ich beim Galli Theater meine große Liebe kennengelernt – Michael Wenk – und geheiratet. So bin ich in Deutschland geblieben.

Mitspieltheater für Kinder.

Bist Du noch oft in Georgien?

Ich bin einmal im Jahr zu Hause. Dann arbeite ich mit dem Galli Training Center vor Ort. Wir gestalten im Auftrag des Goethe Instituts, Märchen- und Mythenfestivals in Georgien und Armenien. Daneben bieten wir Mitspieltheater für Kinder und Jugendliche an, die die deutsche Sprache lernen. Es ist besonders schön, in meiner Heimat zu sein und gleichzeitig dort in meinem Beruf arbeiten zu können.

Inzwischen leitest Du das Galli Theater in München. Was bedeutet Dir Spielen?

Die Bühne gibt mir Kraft und erfüllt mein Leben mit Sinn. Wenn ich spiele spüre ich Energie. Die Schauspielerei ist sozusagen meine Kraftquelle. Wenn ich in die verschiedenen Figuren eintauche merke ich, dass ich glücklich bin. Die „Patina“ einer erfahrenen Schauspielerin kann man nicht erlernen, sondern die erwirbt man sich durch viel Bühnenspiel. Deshalb bringt mich jedes Spielen auf der Bühne persönlich weiter. Meine Erfahrungen kann ich als Trainerin weitergeben. Sie fließen auch in meine Regiearbeit ein. In meiner Arbeit mit Menschen ist mir ein respektvoller Umgang miteinander wichtig. Wenn wir uns auf der Bühne öffnen, können wir frei spielen und es entsteht oft etwas Wunderbares.

Helena George in dem Stück „Männerschlussverkauf“.

Ich bewundere immer, wie schnell Du die unterschiedlichen Texte auswendig lernst – obwohl es nicht Deine Muttersprache ist.

Texte auswendig zu lernen fiel mir schon immer leicht. Zuerst war dies natürlich in einer fremden Sprache schwierig, deshalb habe ich damals Wort für Wort auswendig gelernt. Es war mühsam aber ich hatte den Willen, es zu schaffen. Anfänglich war es mit einem ausgeprägten Akzent nicht immer einfach. Inzwischen hat sich das sehr relativiert. Der Beifall der Zuschauer ist deshalb für mich eine große Unterstützung. Wenn ich nicht gespürt hätte, dass mein Spiel beim Publikum gut ankommt, hätte ich nicht den Mut gehabt, als Schauspielerin mit Migrationshintergrund in Deutschland weiter zu spielen.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Als Theaterleiterin habe ich begonnen, in unserer Theater Lounge Jazzkonzerte durchzuführen. So gebe ich anderen nationalen und internationalen Künstlern eine Bühne. Es macht mir Spaß, auch im Ausland mit dem Projekt „Zum Deutschlernen auf die Bühne nach der Galli Methode®“ tätig zu sein. Mit verschiedenen Partnerorganisationen führen wir dieses Programm in Nicaragua, Armenien, Georgien, Tschechien und Mexiko durch.

Gibt es ein Herzensprojekt?

Seit 2009 arbeite ich ehrenamtlich in Flüchtlingsheimen mit Flüchtlingskindern. Die Kinder lernen durch das Spielen von deutschen Märchen die deutsche Sprache. Die Kinder spielen begeistert mit und entwickeln sich dadurch weiter – egal ob sie bleiben können oder wieder gehen müssen. Ich kann den Kindern zeigen, dass es wichtig ist, sich auch in einer anderen Sprache ausdrücken zu können – da bin ich oft natürlich auch Vorbild für die Kinder. Ich liebe was ich mache und glaube daran, damit etwas verändern zu können.

Weitere Informationen unter: http://galli-amalienpassage.de/

Michael Wenk und Helena George in dem Stück „Eheurlaub“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Galli Theater

Ein Wort zum Schluss:

Wer gerne einmal einen Blick auf seine gewohnte Rolle im Alltag werfen möchte, der ist auf der Galli-Bühne gut aufgehoben. Hier lernt man, aus seiner eigenen unbewussten Rolle einmal herauszutreten, sich auszuprobieren und neue Facetten an sich kennenzulernen. Ich kann dies nur empfehlen. Und falls Sie schon Erfahrungen damit gemacht haben, freue ich mich über Ihren Erlebnisbericht. Bleiben Sie also immer in Bewegung!

3 Kommentare

Beqa

Mai 4, 2017 @ 15:26

Antwort

Einmal hätte ich die Möglichkeit in Galli Theater ein Theaterstück zu besuchen, das war unglaublig interessant. Gut gemacht ich bin sehr zufrieden geblieben! Vielen dank!

Kohar Peñalba

Mai 4, 2017 @ 18:03

Antwort

Ein sehr gelungenes, einfûhlsames Portrait ûber eine fasziniererende Frau und Schauspielerin, die „schône Helena“….
Auch ich habe sie vor einigen Jahren im Zusammenhang mit dem Galli-Projekt „Zum Deutschlernen auf die Bûhne“ kennen- und schâtzengelernt. Wir haben sie mittlerweile schon zwei Mal fûrs Mitspieltheater im Rahmen von interkulturellen Goethe-Projekten in Nicaragua engagieren kônnen und jedes Mal gelingt es Helena, jung und alt mitzureissen und mit ihrer unerschôpflichen Energie und Kreativitât gepaart mit grosser Sensibilitât und Professionalismus, anzustecken und zu inspirieren.
Vielen Dank fûr den tollen Artikel !!!

Tamar Rosenberg

Mai 4, 2017 @ 23:30

Antwort

Das Galli Theater in München überrascht mich jedes Mal mit den Theaterstücken, die mich zum Lachen und aber auch zum Nachdenken bringen; Gemütliches Ambiente, familiäre Atmosphäre, tolle und hochtalentierte Schauspieler- einfach sehr amüsant.

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Über die Autorin

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Als Kommunikationsexpertin und freie Journalistin berate ich Unternehmen in Change Prozessen. Das Thema "Veränderung" hat mich schon immer fasziniert, vor allem weil jeder anders damit umgeht. Neues wagen verbinde ich mit geistiger Wachheit und Kreativität. Für meinen Blog bin ich immer auf der Suche nach interessanten Menschen und Geschichten, die mit Veränderung zu tun haben. Ich liebe es, aus einer Idee eine Story zu entwickeln. Dabei möchte ich mit meinen Geschichten informieren und inspirieren. Meine langjährige Kommunikationserfahrung habe ich in verschiedenen internationalen PR-Agenturen in Düsseldorf und als Pressesprecherin bei einem großen Finanzdienstleister in München gesammelt. 

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